Christoph Kania braindump

 

Meine erste Fahrt mit myTaxi

05.06.2012 - Christoph Kania

Statt mich in die Warteschleife der Taxi-Zentrale zu hängen, habe ich für eine Fahrt (mit Reservierung) diesmal die App „myTaxi“ verwendet.

Meine Tätigkeit als IT-Berater bringt es mit sich, dass ich regelmäßig reise. Meistens nutze ich die Bahn und pendle zwischen Wohnung und Bahnhof bzw. Bahnhof und Kunde mit dem Taxi. Es ist häufig der Fall, dass man beim Anruf in einer Taxi-Zentrale zunächst geduldig in der Warteschleife auf einen Agenten wartet, der dann, meistens freundlich, die Bestellung entgegen nimmt.

Nachdem ich aber bereits den Fahrkartenkauf elektronisch abwickle und das Bahn-Ticket nur auf meinem iPhone mit mir führe, lag es nahe, auch „die letzte Meile“ nicht mehr auf dem alt hergebrachten Weg abzudecken.

In diversen Medien war zu vernehmen, dass sich die Taxi-Zentralen durch die Konkurrenz in Form von Angeboten wie „myTaxi” bedrängt fühlen. Mein heutiger Fahrer sagte dazu: > „Zu Recht, denn sie haben hier verschlafen.“

Aber es soll ja eine App geben, bei denen sich nun auch die Taxi-Zentralen beteiligen und die, wenn für den aktuellen Standort noch keine direkte Integration verfügbar ist, immerhin eine telefonischen Verbindung zur Zentrale herstellt. Diese App – „Taxi Deutschland“ – habe ich zunächst als Fake verworfen. Denn sie wirkt in ihrer ganzen Aufmachung so billig, dass ich nicht glauben konnte, dass dies der große Gegenangriff sein soll. In einem Ort ohne direkte Anbindung funktioniert sie aber schonmal.

myTaxi dagegen wirkt professionell und durchdacht. Nach Eingabe von Start- (wurde über GPS automatisch gesetzt) und Ziel-Adresse konnte ich meine gewünschte Abholzeit eintragen. Da ich abends gegen 23:30 eine Fahrt für morgens 04:30 buchen wollte, war ich zunächst skeptisch, ob sich ein Fahrer finden wird. Nach etwa einer Minute war die Fahrt bestätigt und ich bekam Namen und Foto meines Fahrers angezeigt. In der Tat kann es aber schwierig sein, eine Vorbestellung für solche Zeitfenster zu erhalten. Wie mir der Fahrer erklärte, besteht eine 1:1 Beziehung zwischen Fahrer und Fahrgast. D.h. er muss tatsächlich auch diese Fahrt ausführen, also zum gewünschten Zeitpunkt auch im Dienst sein. Reservierungen haben einen weiteren Nachteil für den Fahrer: > “Im Grunde kann ich eine halbe Stunde vor der Reservierung keine Fahrt mehr annehmen“, so mein heutiger Chauffeur.

Es fühlt sich zunächst sicherer an, wenn die Reservierung von einem echten Menschen bestätigt wird und ich hatte mir schon überlegt, wie ich pünktlich meinen Zug erreiche, wenn die Reservierung doch nicht ausgeführt wird. Aber noch während ich morgens unter der Dusche stand kam die Meldung ein: „Ihr Fahrer ist auf dem Weg zu Ihnen“ und kurz darauf die Ankunftsmitteilung.

Der weitere Verlauf ist der einer regulären Taxifahrt, mit dem Unteschied, dass der Fahrer bereits wusste, wohin ich fahren möchte. Nach Abschluss der Fahrt wurde ich gebeten, eine Bewertung des Fahrers und des Fahrzeugs abzugeben.

Natürlich interessierte mich, wie viele Fahrten über myTaxi vermittelt werden: > „An normalen Tagen bekomme ich etwa ein Drittel der Fahrten über myTaxi, an Wochenenden fast 50%. Dann sind die jungen Leute unterwegs, die sowieso affin für so etwas sind.“

So hohe Anteile hätte ich nicht vermutet. Aber wie sieht es mit den Kosten aus? > „myTaxi nimmt für jede erfolgreiche Fahrt 79 Cent, die Zentrale einen monatlichen Betrag. Aber das hat auch Vorteile. Bei myTaxi merkt man, dass ein Team dahinter sitzt, dass die Sache pflegt und ein Interesse an verkauften Fahrten hat. Dafür setzt sich die Genossenschaft als Interessenvertretung auch z.B. bei Problemen mit der Stadt ein.“

Das klingt so, als hätten beide Modelle ihre Berechtigung und eine Vereinigung von beiden brächte für alle Beteiligten den größten Nutzen.

Worauf ich noch warte: Die bargeldlose Zahlungsabwicklung direkt über die App. Für mich als Geschäftskunden ist natürlich ein entsprechender Beleg erforderlich, aber das sollte wohl keine Schwierigkeit darstellen.

Mein Fahrer war jedenfalls sehr nett, so dass ich ihn zu meinen Stammfahrern“ hinzugefügt habe.

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